Wie alles begann – unsere erste Reise nach Finnisch-Lappland

Ich werde nie den Anruf unseres Ältesten vergessen, der uns im Dezember 2014 erreichte. Er war mit seiner damaligen Freundin im Juni 2014 zu einer Reise durch Schweden aufgebrochen. Gerade hatte er seine Lehre als Zimmermann abgeschlossen und wollte auf diesem Weg Auslandserfahrung sammeln und Skandinavien entdecken.

Durch viele unterschiedliche – teils auch unglückliche – Erlebnisse in Schweden waren die beiden schließlich im finnischen Lappland gestrandet. Unterwegs waren sie mit einem unbeheizten T4, also galt es zuerst, eine warme Schlafmöglichkeit zu finden, und danach Arbeit.

Anfang Dezember erreichte uns dann dieser Anruf:
„Wir sind in der Nähe von Levi gestrandet. Hier sind es –30 Grad. Wir haben einen kleinen Raum in einem alten Fabrikgebäude mieten können – wenigstens ist es warm. Aber wisst ihr was? Es ist so wunderbar hier. Ihr müsst herkommen und das erleben. Die Kälte, der Schnee, die Dunkelheit – das alles ist etwas Einmaliges.“

Wir ließen uns von seiner Begeisterung anstecken. So hatten wir unseren Sohn noch nie erlebt. Also buchten wir spontan – trotz vieler familiärer Herausforderungen (meine Mutter war gerade ins Pflegeheim gekommen) – einen viertägigen Trip nach Finnisch-Lappland.

Am 27.12.2014 stiegen wir in Kittilä aus dem Flugzeug. Schon der erste Atemzug bei –30 Grad, mitten auf der Landebahn dieses kleinen Flughafens, war ein unvergesslicher Moment. Noch heute erinnern sich unser Sohn Leif und ich an diese Sekunden – ein wahrhaft magischer Augenblick.

Dass dieses Erlebnis weitreichende Folgen für meine Zukunft, ja für unsere aller Zukunftspläne haben würde, konnte ich damals noch nicht erahnen.

Malte erwartete uns bereits mit laufendem Motor, und dicht gedrängt fuhren wir in einer kleinen Limousine zu unserer abgelegenen Unterkunft in einem verlassenen Fabrikgebäude.

Erste Erlebnisse in Levi – Schnee, Stille und neue Wege

Heute zeigt mir diese Erinnerung sehr klar, wie sich viele Touristen fühlen – und ich habe großes Verständnis dafür, in kurzer Zeit möglichst viele einzigartige Momente dieses besonderen Fleckchens Erde mit nach Hause nehmen zu wollen.

So buchten wir, wie viele Besucher auch heute noch, Husky-Schlittenfahrten, Snowmobil-Touren und eine Rentierfarm-Besichtigung – alles innerhalb von nur drei Tagen.

Für mich persönlich war die rund 30 Kilometer lange Husky-Tour mit einem kleinen privaten Anbieter in der Umgebung von Levi ein prägender Moment. Noch heute empfehle ich diesen Ort meinen Gästen für ein ganz besonderes Husky-Erlebnis. Dort geschah etwas mit mir – einer dieser magischen Momente, die hier möglich sind. Vielleicht war es der Anfang, der Funke für mein Lappland-Abenteuer, das bis heute anhält. Damals wusste ich noch nicht, wie einschneidend diese Tage für meine Zukunft sein würden.

Für unseren Sohn kam das Glück mit der Snowmobil-Tour. Auf die beiläufige Frage der Besitzerin, was wir hier täten, erwähnte mein Mann, dass wir unseren Sohn besuchen und dieser Arbeit suche. Sie musterte ihn kurz und sagte trocken:
„Der Große dort drüben? Der soll morgen mal kommen und sich vorstellen.“

Aus diesem Moment entstand eine Anstellung für vier Wintersaisons als Snowmobil-Guide – und eine Freundschaft, die bis heute anhält.

Zurück im Alltag nahm das Leben wieder seinen gewohnten Lauf. Doch als ein halbes Jahr vergangen war und unser Sohn mit seiner Freundin vom Abenteuer zurückkehrte, flammte eine verrückte Idee auf: gemeinsam für ein Jahr etwas ganz Besonderes zu tun.

Wir warfen all unsere Gedanken in einen Topf. Der Funke war entfacht. Wir suchten eine Unterkunft, jemanden, der uns etwas vermieten würde – vielleicht ein Ferienobjekt, vielleicht eine große Ferienwohnung. Schnell merkten wir jedoch: So kommen wir nicht weiter. Wir mussten vor Ort recherchieren.

Gesagt, getan. Anfang September 2015 landeten wir in Rovaniemi. Es war das erste Mal, dass ich diese Strecke mit dem Auto fuhr. 180 Kilometer oberhalb des Polarkreises lagen vor uns. Konzentration war gefragt – jederzeit konnten Rentiere die Straße kreuzen.

Es regnete. Und trotzdem war Levi wunderschön. Herbstliche Stimmung, verfärbte Landschaft, Stille – und dieses besondere Gefühl von Abenteuer. Wer weiß, was uns erwarten würde? Und ob wir finden würden, wonach wir suchten …